Rundfunkgeschichte vom 03. Juli

Wenn man eine Liste der bemerkenswertesten Radio-DJs aller Zeiten anfertigt, dann dürfte Dan Ingram ziemlich weit oben stehen. Berühmt wird er beim Sender WABC-AM in New York City, dort moderiert er seine erste Sendung am 3. Juli 1961. 26 Jahre ist er damals alt. Er ist bekannt für seine Schlagfertigkeit, blitzschnell kann er reagieren und bringt dann in knappen Worten alles auf den Punkt. Und er hat viel Humor! Das macht ihn zu einer der ganz großen Radio-Persönlichkeiten der Epoche.

Ob er auch den berühmten „Ramptalk“ erfunden hat, das muss offen bleiben. Jedenfalls hat er die tolle Fähigkeit, über den sogenannten „Ramp“ (Deutsch: Rampe) zu Beginn eines Musikstücks zu moderieren. Der Clou ist, über die instrumentale Einleitung zu sprechen und genau an dem Punkt aufzuhören, an dem der Gesang beginnt. In modernen Radiosendern gibt es sogenannte Backtimer, die einen Countdown herunterzählen bis zum Beginn des Gesangs – Dan Ingram ist ohne solche Hilfsmittel ausgekommen.

Zur Legende wird der DJ am späten Nachmittag des 9. Novembers 1965, während des großen Stromausfalls in den USA. Dan Ingram fährt einen Song ab (Jonathan Kings „Everyone’s Gone to the Moon“), aber die Musik leiert. Die Plattenspieler scheinen langsamer zu laufen. Ingram zieht den Regler hoch, moderiert bis zu den Nachrichten. Er wundert sich, was passiert – und schildert seine Eindrücke on air! Einen Mitschnitt gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=9-kjUBpd2ks

Warum eiert die Schallplatte? Die Plattenspieler benutzen normalerweise die Netzfrequenz von 60 Hz, um den Gleichlauf zu gewährleisten. Obwohl die Spannung zunächst noch normal ist, aber das Stromnetz überlastet, sinkt die Frequenz zunächst auf 56 Hz und dann auf 51 Hz. Dadurch laufen die Plattenspieler langsamer als sonst, was deutlich zu hören ist.

Der große Stromausfall legt weite Teile der USA und Kanadas lahm. 30 Millionen Menschen haben keinen Strom und sitzen stundenlang im Dunkeln. Der Mond ist die einzige Lichtquelle. Viele Menschen haben Angst vor einem Angriff der Sowjetunion.

Für Dan Ingram bedeutet dieses Ereignis nicht das Ende seiner Sendung, sondern es wird zu einem Höhepunkt seiner Karriere. Nachdem im Studio in Manhattan nichts mehr geht, weil der Strom weg ist, packt Ingram mit einem Techniker ein paar Boxen voller Schallplatten ein und fährt nach New Jersey raus, wo in Lodi der Sendemast von WABC steht. Es gibt dort ein kleines Notfall-Studio – und aus diesem sendet Ingram weiter. Er wird spätestens damit zu einer Legende.

2018 stirbt er im Alter von 83 Jahren – er verschluckt sich unglücklicherweise an einem Stück Steak. Er hinterlässt fünf Söhne, vier Töchter und zwei Stieftöchter… CBS berichtet in den Nachrichten:
https://www.youtube.com/watch?v=Nede9WELTeI