Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 20.02.

Am 20. Februar 1916 verbindet sich die „Genossenschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte“ (GEMA) mit der „Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musik-Verleger“ (AKM) zu einem „Verband zum Schutze musikalischer Aufführungsrechte für Deutschland“. Damit gibt es zwei Verwertungsgesellschaften, eine für die Unterhaltungsmusik und eine für die ernste Musik. Und beide bekriegen sich.

Die Vorgeschichte ist einfach: 1902 wird es Gesetz, dass zur öffentlichen Aufführung eines musikalischen Werkes jeder Autor zustimmen muss. Das Urheberrecht ist geboren. In der Folge wird die Anstalt für musikalisches Aufführungsrecht (AFMA) gegründet – deutlich später als in den Nachbarländern. So ganz eindeutig ist aber nicht, was wem zusteht, die Gerichte entscheiden. 1915 wird dann die „Genossenschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte“ GEMA gegründet, deren Vorstand und Aufsichtsrat vorwiegend aus Komponisten, Textdichtern und Verlegern der Unterhaltungsmusik besteht.

Es folgt ab 1916 ein jahrelanger wütender Kampf - E-Musik gegen U-Musik. Erst 1930 werden die Verwertungsgesellschaften unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt.

Die Nazis gehen noch weiter: Sie lassen 1933 die „Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte“ (STAGMA) gründen. Diese ist fest in das nationalsozialistische Machtgefüge eingebunden und die leitenden Mitglieder der STAGMA sind eingefleischte Nazis. Die Reichsmusikkammer unter Präsident Richard Strauss hatte 1934 in ihren Richtlinien festgelegt, dass „Nichtarier grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen“ seien. Das bedeutete Berufsverbot für die damals etwa 8000 in der Reichsmusikkammer organisierten Juden. Ein unrühmliches Kapitel der deutschen Musikgeschichte.

Die Gema verwaltet heute in Deutschland die Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht von über 80000 Mitgliedern (Komponisten, Textdichtern und Musikverlegern) sowie von fast zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt. Die Mitgliedschaft bei der GEMA ist freiwillig, da die sich aus dem Urheberrecht automatisch ergebenden Nutzungsrechte ausschließlich dem Urheber vorbehalten sind. Da das Urheberrecht selbst nicht übertragbar ist, kann der Urheber nur die Wahrnehmung desselben an eine andere natürliche oder juristische Person übertragen.

Konkret bedeutet es, dass Nutzer von bei der GEMA registrierten Werken die jeweils notwendigen Nutzungsrechte gegen eine Nutzungsgebühr erwerben müssen. Egal ob Radio- oder Fernsehsender, Straßenfest-Veranstalter oder Standbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt – zahlen müssen alle. Das so eingenommene Geld wird dann von der GEMA nach Abzug einer Verwaltungsgebühr an die Urheber und Verlage ausgezahlt. In den vergangenen Jahren hat die GEMA Erträge von jeweils etwa einer Milliarde Euro erwirtschaftet.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 17.02.

Da sind die Fans doch etwas überrascht: Am 17. Februar 1972 spielt der Radiosender KDAY aus Los Angeles zwei unveröffentlichte Songs der Rolling Stones – und das 18 Stunden lang ununterbrochen.

Die Songs sind auf Tonbändern, die aus dem Haus des Musikproduzenten Marshall Chess gestohlen worden sind. Sie enthalten Songs, die auf dem nächsten Album der Rolling Stones, „Exile on Main St“ erscheinen sollen.

Die Band ist empört und erwirkt am nächsten Tag eine gerichtliche Unterlassungsverfügung.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 15.02.

Es ist die erste öffentliche Widerstandsaktion gegen Adolf Hitler: Am 15. Februar 1933 hält er eine Rede in der damaligen Stadthalle in Stuttgart, die live im Radio übertragen wird. Zwei Wochen zuvor ist er in Berlin zum Reichskanzler ernannt worden. Und es ist Wahlkampf, der Reichstag soll neu gewählt werden.

Doch um 21.17 Uhr verstummt Hitler für die Hörer des Süddeutschen und Südwestdeutschen Rundfunks. Ein oberirdisches Rundfunkkabel in einer Hofeinfahrt in der Werderstraße 20 in Stuttgart ist in rund vier Metern Höhe durchtrennt worden. Wer für die Sabotage verantwortlich ist, kann zunächst nicht aufgeklärt werden. Zur Verantwortung gezogen werden drei Postbeamte, weil damals die Post für die Rundfunkkabel verantwortlich ist. Die drei Beamten werden kurzzeitig beurlaubt.

Durchgeführt wird die Tat von den vier jungen Arbeitern Wilhelm Breuninger, Alfred Däuble, Hermann Medinger und Eduard Weinzierl, Anhängern der KPD. Sie haben das Übertragungskabel mit einem Beil durchschlagen. Als „Kabelattentat“ geht die Aktion in die Geschichte ein. Sie können ihre Tat aber offenbar nicht für sich behalten, zwei Jahre später werden die jungen Widerstandskämpfer dadurch aufgespürt. Der Staatsanwalt fordert eine Bestrafung wegen Hochverrats, das Gericht aber sieht es als strafmildernd, dass die KPD zur Tatzeit noch nicht verboten ist. So werden die vier nur zu Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt.

Wer ihnen die Anregung gab? Es könnte Kurt Hager gewesen sein, später Mitglied des SED-Politbüros der DDR. Aber auch der Postangestellte Theodor Decker wird genannt. Er wird 1935 aus anderen Gründen verhaftet und später im KZ Mauthausen ermordet.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 14.02.

Das ist keine besonders nette Geste zum Valentinstag: Das Unternehmen Metromedia hat das gesamte Personal des Senders KMET-FM in Los Angeles gefeuert und beendet am 14. Februar 1987 das Rock-Format auf der Frequenz 94,7 Mhz um 12 Uhr mit dem „Golden Slumbers Medley“ der Beatles („Golden Slumbers“ / „Carry That Weight“ / „The End“).

Das Logo des Senders, absichtlich auf den Kopf gestellt

Uff! Ein schwerer Schlag für Mitarbeiter und Fans, es gibt keinen Progressive Rock mehr zu hören, denn danach ist KTWV „The Wave“ auf Sendung, mit New Wave-Musik. Heute hat sich „The Wave“ zu einem Smooth-Jazz-Format entwickelt, spielt jetzt aber Urban Adult Contemporary.

Der Radiosender KSWD („The Sound 100.3“) aus Los Angeles hat es sich zur Aufgabe gemacht, an den untergegangenen Sender zu erinnern. Am 10. Juli 2009 setzt er ein eintägiges Revival von KMET an, komplett mit den originalen Airchecks und vielen der Mitarbeiter aus der Blütezeit des Senders. Auch vom 1. bis 3. November 2013 gibt es eine KMET-Reunion. 2014 wird KMET in die Rock Radio Hall of Fame in der Kategorie „Legends of Rock Radio-Stations“ aufgenommen.

Das Callsign von KMET ist inzwischen dem Talk-Radiosender KMET in Banning (Kalifornien) zugewiesen worden, der auf Kurzwelle sendet.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 12.02.

Am 12. Februar 1924 hält Calvin Coolidge als erster US-Präsident eine politische Rede im Radio. Aus New York City wird sie gesendet, fünf Radiosender übertragen sie zu einem Publikum von geschätzt fünf Millionen Menschen. Es bleibt nicht die einzige Radiorede: Während seiner Präsidentschaft kommt Coolidge auf etwa 50 Sendungen. Er lernt schnell, wie er die neue Technologie am effektivsten nutzen kann, stellt sogar einen Berater ein, der ihm hilft, seine Radio-Persönlichkeit aufzubauen.

Calvin Coolidge mit Radio-Equipment, Copyright US Department of State

Besonders mit dem Radio in Verbindung gebracht wird allerdings US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Von 1933 bis 1944 hält er 30 sogenannte Kamingespräche, in denen er sich in freundlicher, klarer Sprache an das amerikanische Volk wendet. Themen sind häufig seine Bemühungen, die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln sowie die globalen Herausforderungen im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 11.02.

Der Film „The Big Broadcast of 1938“ kommt am 11. Februar 1938 in die US- Kinos. Es ist eine musikalische Filmkomödie von Paramount Pictures mit W. C. Fields, Martha Raye und Bob Hope. Der Film ist der letzte in einer Reihe von „Big Broadcast“-Filmen, die das Beste aus Varieté-Shows auf die Leinwand bringen.

In diesem Film debütiert Hopes Erkennungsmelodie, „Thanks for the Memory“ von Ralph Rainger. Bob Hope und Leo Robin gewinnen damit 1939 den Oscar für den besten Song. In „The Big Broadcast of 1938“ wird er von Bob Hope und Shirley Ross gesungen: https://www.youtube.com/watch?v=nKgUq5dziEk


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 10.02.

Am 10. Februar 1902 wird der US-amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Walter Brattain in Amoy (heute Xiamen) in China als Sohn eines US-amerikanischen Lehrers geboren. Er wächst im US-Bundesstaat Washington auf und macht 1924 seinen Bachelor, 1926 seinen Master. Als Physiker arbeitet er zunächst am National Bureau of Standards, promoviert und wechselt zu den Bell Laboratories, für die er bis zu seinem Ruhestand 1967 arbeitet.

Wichtig für die Geschichte des Radios ist seine Arbeit an Transistoren. Brattain beschäftigt sich zunächst mit den Oberflächeneigenschaften von Festkörpern wie Wolfram. Später forscht er an Oberflächeneffekten von Halbleitern wie Silicium und Germanium. Zusammen mit John Bardeen entwickelt er den Punktkontakttransistor. 1956 erhält er mit William B. Shockley und John Bardeen den Nobelpreis für Physik für „Untersuchungen über Halbleiter und ihre Entdeckung des Transistoreffekts“.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 09.02.

Es ist eine Musikübertragung, die möglicherweise einen Rekord für die Ewigkeit gesetzt hat: Am 9. Februar 1964 treten die Beatles im US-Fernsehen bei CBS auf, in der „The Ed Sullivan Show“ und ungefähr 74 Millionen US-Amerikaner sehen zu, ein Drittel der gesamten Bevölkerung!

Musiker und Moderator

Es ist der erste von drei Auftritten. The Beatles singen „She Loves You“, „All My Loving“, „Till There Was You“, „I Saw Her Standing There“ und „I Want to Hold Your Hand“. Sehr gut zu verstehen ist nicht, was die Beatles singen, denn die Fans im Studio schreien aus vollen Kehlen. „I Want to Hold Your Hand“ ist die aktuelle Nummer 1 der Billboard-Charts.

Der Auftritt am 9. Februar gilt als Meilenstein der amerikanischen Popkultur und als Beginn der britischen Invasion in der Musik. Die Namen der Gruppenmitglieder werden in Großaufnahmen eingeblendet, darunter „Sorry girls, he's married“ zu John Lennon. Im Studio kommt es zu Tumulten. Gut, dass der folgende Auftritt schon aufgezeichnet worden ist und nicht live folgen muss! Ein Ausschnitt? Bitte sehr: https://www.youtube.com/watch?v=jenWdylTtzs

Die Show vom 16. Februar wird aus Miami Beach gesendet, wo sich Boxer Muhammad Ali (alias Cassius Clay) für einen Titelkampf vorbereitet. Auch dort gibt es Tumulte, beinahe schaffen es die vier aus Liverpool nicht auf die Bühne. Eine Handvoll Polizisten wird benötigt, um abzusperren. Die Band spielt „She Loves You“, „This Boy“ und „All My Loving“, später kommt sie noch einmal auf die Bühne, mit „I Saw Her Standing There“, „From Me to You“ und „I Want to Hold Your Hand“.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 06.02.

Der 32-jährige Radiojournalist Paul Harvey wird am 6. Februar 1951 verhaftet, als er versucht, sich in das Argonne National Laboratory in einem Vorort von Chicago einzuschleichen. Er will damit beweisen, dass die Sicherheitsvorkehrungen in dieser streng geheimen Einrichtung lax sind.

Das Argonne National Laboratory ist eines der ältesten und größten Forschungsinstitute des US-Energieministeriums, es ist aus dem metallurgischen Labor der University of Chicago hervorgegangen, das auch am Bau der ersten Atombombe beteiligt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht die Entwicklung von Kernreaktoren für die Energieversorgung im Vordergrund.

Paul Harvey will wissen, wie die Sicherheitsvorkehrungen sind und unternimmt mitten in der Nacht einen „Akt des partizipativen Journalismus“, wie es die „Washington Post“ nennt. Er schafft es, einen drei Meter hohen Zaun zu überwinden, wird dann aber von einer Patrouille geschnappt, die in einem Jeep unterwegs ist.

Ein Ausschnitt aus der 192 Seiten starken FBI-Akte

Der Staatsanwalt des US-Bundesstaates Illinois bittet eine Grand Jury, eine Anklage wegen Spionage zu prüfen. Im Prozess sagen allerdings mehrere Experten zugunsten von Harvey aus, unter anderem lobt ein Vertreter der Gewerkschaft der Wachmänner, dass er auf Risiken aufmerksam gemacht habe. Zu einer Anklage kommt es nicht.

Für Harvey bringt der Prozess eine US-weite Aufmerksamkeit, die er nutzt um Karriere zu machen. Er wird einer der bekanntesten Radiokommentatoren. Aus seiner konservativen Weltanschauung macht er keinen Hehl, zu seinen Freunden gehören später FBI-Direktor J. Edgar Hoover oder hochrangige Politiker.

Im Jahr 2005 wird er von US-Präsident George W. Bush mit der „Presidential Medal of Freedom“ ausgezeichnet, der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Bush in der Laudatio: „Er ging 1933 zum ersten Mal auf Sendung und ist seit 54 Jahren landesweit zu hören.“ Und weiter: „Im Laufe der Jahrzehnte haben wir in dieser Stimme einige der besten Eigenschaften unseres Landes erkannt: Patriotismus, guten Humor, Freundlichkeit und gesunden Menschenverstand der Amerikaner.“ Harvey stirbt 2009 im Alter von 90 Jahren.


Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 02.02.

Die Radioquizshow „Twenty Questions“ hat am 2. Februar 1946 um 20 Uhr im Mutual Network Premiere. Gesendet wird aus dem New Yorker Longacre Theatre in der West 48th Street. Die Radiohörer schicken Themen ein, die die Moderatoren in zwanzig Fragen erraten sollen (Winston Churchills Zigarre ist das am häufigsten eingesandte Thema der ersten Sendung).

Die Sendung ist die Schöpfung von Fred Van Deventer, er ist der Gastgeber von New Yorks bekanntester Nachrichtensendung „Van Deventer and the News“. Van Deventer sitzt zusammen mit seiner Frau Florence auf dem Podium – um es zu verschleiern, tritt sie mit ihrem Mädchennamen auf und heißt in der Sendung Florence Rinard. Ihr gemeinsamer 14-jähriger Sohn Robert ist auch dabei, als Bobby McGuire. Der Produzent der Sendung, Herb Polesie, vervollständigt die Gruppe. Manchmal sind auch Promis dabei oder Tochter Nancy Van Deventer.

Sportmoderator Bill Slater ist der Quizmaster. Die Sendung wird durch die zeitversetzte Ausstrahlung auf CKWX Vancouver zu einem großen Montagabend-Hit. Die Sendung läuft acht Jahre lang im Radio und weitere sechs Jahre im Fernsehen.

Die Familie Van Deventer hat das Spiel jahrelang bei sich zu Hause gespielt, lange bevor sie es ins Radio bringt, und alle sind so geübt darin, dass sie oft schon nach sechs oder sieben Fragen die Antwort wussten. In einer Sendung gelingt es Maguire, die richtige Antwort zu geben, ohne eine einzige Frage zu stellen. Das Studiopublikum hat die richtige Antwort, nämlich „die Brooklyn Dodgers“, schon vorab bekommen, und immer gejubelt, wenn jemand Brooklyn in irgendeinem Zusammenhang erwähnt hat.