Rundfunkgeschichte vom 16. Januar

Diese Schlagzeile sorgt am 16. Januar 1926 für Aufsehen:

In einer anderen Zeitung, dem australischen „Kalgoorlie Miner“ heißt es wenige Wochen später: „Edmond Belin, der Erfinder des Systems, das es möglich gemacht hat, Handschrift und Zeichnung per Telegraf zu übertragen, hat angekündigt, dass innerhalb von ein paar Wochen die Übertragung von Visionen durch drahtlose Wellen eine vollendete Tatsache sein wird.“

In einem Experiment seien Bildpunkte mittels eines rotierenden Spiegelapparats übertragen worden. So werde eine Illusion von Bewegung vermittelt. Edmond Belin wird mit den Worten zitiert: „Ich bin sicher, dass noch vor Ende 1926 ein Redner, der in ein Mikrofon spricht, sowohl seine Stimme als auch sein Bild gleichzeitig über den ganzen Erdball übertragen haben wird.“ Ganz so schnell ging es dann doch nicht.

Einzelne Fotos waren schon ab November 1924 drahtlos über den Atlantik übertragen worden– über Radiofrequenzen. Über Kabel hatte das schon länger geklappt, Zeitungen nutzten die Idee, um Fotos von Stadt zu Stadt zu übertragen. RCA nutzte dann das Radio, um ein Bild von US-Präsident Calvin Coolidge von New York nach London zu übertragen.


Rundfunkgeschichte vom 15. Januar

Die Rolling Stones im Fernsehen? Das verspricht 1967 eine gute Einschaltquote. In der Ed Sullivan Show am 15. Januar dürfen die wilden Rocker aber nur unter einer Bedingung auftreten - sie müssen den Text ihres Hits „Let's Spend The Night Together“ ändern, in das familienfreundlichere „Let's spend some time together“. Ed will da streng durchgreifen, hat er angekündigt: „Entweder der Songtitel geht, oder ihr geht.“

Mick Jagger fügt sich, aber nur widerwillig. Immerhin ist der Titel brandneu auf dem Markt und muss noch beworben werden. Als er diese weichgeschliffenen Worte aussprechen muss, macht er absichtlich auf die Zensur aufmerksam, indem er mit den Augen rollt und eine Grimasse zieht. Zu sehen hier: https://www.youtube.com/watch?v=Lg4VT0x_NMg

Es kommt noch besser. Nach ihrem Auftritt gehen die Stones hinter die Bühne und kommen in Nazi-Uniformen mit Hakenkreuzen wieder heraus. Da wird auch der wohlmeinendste Moderator sauer. Ed Sullivan schickt sie in ihre Garderoben und verdonnert sie dazu, ihre normalen Klamotten anzuziehen. Doch die Stones haben genug, sie hauen ab. Und Ed Sullivan verbietet ihnen, jemals wieder in seiner Show aufzutreten. Er hat das nicht lange durchgehalten…

Allerdings werden die Stones nach dem Vorfall in mehreren US-Sender zensiert. Das Wort „night“ wird herausgeschnitten oder der Song gleich gar nicht gespielt. So kommt es, dass die andere Seite der Single, „Ruby Tuesday“, sehr viel öfter im Radio gesendet wird. So wird „Ruby Tuesday“ ein Nummer-1-Hit, „Let’s Spend The Night Together“ kommt nicht einmal unter die Top 50.


Rundfunkgeschichte vom 14. Januar

Der Tüftler Lee De Forest bekommt 1907 ein Patent auf das „Audion“, eine gasgefüllte Röhre, mit der sich bestimmte elektronische Signale verstärken lassen - heute sagt man Triode dazu. Der Wissenschaftler hält das Gas für einen wesentlichen Teil des Systems, aber später erweist sich, dass die gleiche Triode im Vakuum viel höhere Leistungen erbringen kann.

Ein Pionier des Elektronikzeitalters ist Lee De Forest, er selbst sieht sich sogar als „Vater des Radios“ - denn mit der von ihm erfundenen Triode lässt sich die Sprache beim Radioempfang verstärken. Mit seinem Engagement will er auch helfen, die kulturelle Vielfalt in alle Haushalte zu bringen. Er baut dazu auch einen Nachrichtensender auf.

Später arbeitet er am Tonfilm und verbessert die Arbeit von deutschen Erfindern. In Hollywood kann er aber niemanden begeistern. „Tonfilm? Wofür soll das gut sein?“, bekommt er zu hören. Einige Zeit darauf entscheiden sich die Filmstudios zunächst für anderes Aufnahmesystem, kommen aber später auf die von De Forest entwickelte Technik zurück. 1960 erhält er einen Oscar für die Erfindung des Tonfilms und einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Kreativ und brilliant in wissenschaftlichen Dingen, erkennt De Forest allerdings oft nicht das wirtschaftliche Potenzial, das in seinen Erfindungen steckt. Das Kaufmännische liegt ihm nicht, viele seiner Firmen scheitern. Überhaupt ist sein Leben geprägt von Patentstreitigkeiten, die das Vermögen verbrauchen, das er mit seinen Erfindungen gemacht hat.


Rundfunkgeschichte vom 13. Januar

Im Jahr 1910 wird zum ersten Mal eine Operninszenierung über Radio ausgestrahlt. Die Sendung aus der New York Metropolitan Opera besteht aus dem Melodrama „Cavalleria Rusticana“. Auch Enrico Caruso tritt auf. Sehr viele Zuhörer hat die Übertragung allerdings nicht: Einige Besatzungen der Schiffe im New Yorker Hafen dürften zugehört haben, Hotelgäste am Times Square und Menschen, die an öffentlichen „Hörstationen“ vorbeikommen, die an verschiedenen Orten aufgebaut sind.

Der Erfolg ist überschaubar: Die Qualität der Übertragung lässt nämlich stark zu wünschen übrig. Die Stimmen der Sänger auf der Bühne können von den Mikrofonen nicht wirklich aufgezeichnet werden. Die „New York Times“ berichtet am Tag darauf, dass Interferenzen und statische Aufladungen die Übertragung behindert haben.


Rundfunkgeschichte vom 12. Januar

Talkradio-Legende Howard Stern wird 1954 in Roosevelt, New York, geboren. Seine Karriere beginnt er in den 1970er Jahren und wird schnell durch sein unkonventionelles und provokantes Auftreten bekannt. Immer wieder handelte er sich Bußgelder ein, mit der FCC, der Bundesaufsichtsbehörde über das Fernmeldewesen, stritt er sich über Jahrzehnte. Um die Anweisungen der Manager seiner Radiostationen, sexuelle und religiöse Debatten zu vermeiden, scherte er sich nie.

Seine bekannteste Sendung ist die „Howard Stern Show“, die in den USA zwischenzeitlich von mehr als 50 Radiostationen ausgestrahlt wird – zuerst terrestrisch, später über das SIRIUS Satellite Radio. Für diesen Abo-Satellitensender hat die FCC nämlich keine Aufsichtsbefugnis. Damit kann Stern „die freizügigste Radio-Sendung aller Zeiten“ machen, die ihn und seine Crew bekannt gemacht hat. In der Liste der weltweit bestverdienenden Prominenten hat Howard Stern bisweilen an zweiter Stelle gelegen.


Rundfunkgeschichte vom 10. Januar

Jetzt geht es rund, denkt sich RCA und bringt am 10. Januar 1949 eine 7-Zoll-Schallplatte mit 45 Umdrehungen pro Minute und großem Mittelloch heraus. Das Dings mit 17,5 cm Durchmesser soll Marktanteile sichern. Die Überlegung: fast alle Musikstücke sind höchstens fünf Minuten lang. Um mit der LP vergleichbare Gesamtspielzeiten zu erreichen, werden automatische Plattenwechsler angeboten. Verkauft werden sollen die kleinen Platten in einer buchartigen Verpackung mit mehreren Einzelschallplatten, daher stammt die heute noch verwendete Bezeichnung „Album“.

Am 21. Juni 1948 hat Columbia Records die 12-Zoll-Langspielplatte mit 33 1⁄3 Umdrehungen pro Minute und kleinem Mittelloch vorgestellt. 30 cm ist der Durchmesser. Auf dem Markt sind auch weiterhin die alten Schellackplatten mit einer Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute.

Auch wenn die Vinylschallplatte bis dahin keinen kommerziellen Erfolg hat, sind sich die Hersteller ihrer Vorteile bewusst: Sie verursacht geringere Störgeräusche, hat eine bessere Haltbarkeit und längere Laufzeit.

Alle Formate werden zunächst in Konkurrenz vermarktet. Erst seit etwa Mitte der 1950er Jahre werden Plattenspieler üblich, die die drei wesentlichen bis dahin üblichen Geschwindigkeiten beherrschen. Anfang der 1970er Jahre wird klar, dass nur eine verschwindend kleine Minderheit Bedarf für die Geschwindigkeit 78 Umdrehungen pro Minute hat, die danach auf den Markt gebrachten Plattenspieler bieten diese Geschwindigkeit kaum noch an.


Rundfunkgeschichte vom 09. Januar

Das O-Ton-Hörspiel „Staatsbegräbnis oder Vier Lektionen politische Gemeinschaftskunde“ von Ludwig Harig wird an diesem Tag 1969 erstmals ausgestrahlt. Es wird einen großen Skandal auslösen.

Der Autor verwendet nämlich die originalen Wort- und Tonmaterial der Rundfunkberichterstattungen über das Staatsbegräbnis von Konrad Adenauer vom 25. April 1967. Zu Wort kommen ausschließlich die Akteure des Geschehens selbst: Politiker wie Bundespräsident Lübke und Bundeskanzler Kiesinger, Geistliche wie der Erzbischof von Köln, Festredner und ein Radioreporter. Drumherum steht eine Klangkulisse aus Geräuschen, Musik und Gesang, das dem Ganzen einen Kontrast gibt. Harig entlarvt so „Pathos, Schwulst und Leerformeln“ der Redner.

Die Reaktionen auf das Hörspiel reichen 1969 von großer Begeisterung bei den einen bis zu Ärger und Wut bei anderen, die sich durch Harigs Montagetechnik bloßgestellt fühlen. Der Intendant des federführenden Saarländischen Rundfunks, Franz Mai, verfügt ein Aufführungsverbot des Hörspiels, das er für eine „zynische Persiflage“ hält. Trotzdem dauert es nicht lange, bis das Hörspiel trotzdem auf Schallplatte zu kaufen ist


Rundfunkgeschichte vom 08. Januar

Elvis Aaron Presley wird am 8. Januar 1935 in Tupelo im US-Bundesstaat Mississippi geboren. Er ist einer der berühmtesten und erfolgreichsten Sänger des 20. Jahrhunderts, oft nur „King of Rock and Roll“ oder einfach „The King“ genannt.

Vielleicht ist für sein weiteres Leben entscheidend, was er am 8. Januar 1946 macht, an seinem elften Geburtstag. Von seiner Mama wird er zur Tupelo Hardware Company gebracht. Er will nämlich ein Gewehr als Geschenk haben. Doch er bekommt seine erste Gitarre, Kostenpunkt 7,75 US-Dollar.

Zwei Jahre später siedelt er mit seiner Familie nach Memphis im US-Bundesstaat Tennessee über. Dort beginnt seine Musikkarriere 1954 mit Aufnahmen bei Sun Records unter der Leitung des Produzenten Sam Phillips, der den Klang afroamerikanischer Musik einem breiteren Publikum zugänglich machen will. Presley spielt die Akustikgitarre, begleitet wird er von dem Lead-Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black. Presley wird zum Pionier des Rockabilly, einer Fusion aus Country und Rhythm and Blues, die vom Backbeat bestimmt wird. Sie ist schnell!

1955 vervollständigt der Schlagzeuger D.J. Fontana die Besetzung von Presleys klassischem Quartett, und RCA Victor nimmt Presley unter Vertrag.


Rundfunkgeschichte vom 07. Januar

Fünf Jahrzehnte dauert es von der Erfindung des Telefons bis zur ersten Sprechverbindung zwischen Europa und Amerika. Am 7. Januar 1927 ist es soweit: Walter S. Gifford, der Präsident von AT&T greift in New York zum Hörer, aus dem er die Stimme von Sir Evelyn Murray vernimmt, dem Sekretär des britischen General Post Office, das zu dieser Zeit das britische Telefonsystem verwaltet.

So berichtet die New York Times über die fernmeldetechnische Sensation

Überraschenderweise wird das Telefonat nicht über Kabel, sondern über Funk vermittelt. Vielleicht will man ganz sichergehen, dass kein Kabelbruch stören kann? Das erste Unterseekabel hält 1858 nämlich nicht lange. Königin Victoria schafft es gerade nocht, dem damaligen US-Präsidenten James Buchanan ein Telegramm zu schicken, dann ist das Kabel zwischen Irland and Neufundland auch schon wieder hinüber. Nach drei Wochen. Zum Glück gibt es später haltbarere Kabel!

In den folgenden Jahren wird das Telefonnetz stetig ausgebaut. Zu den weiteren Meilensteinen gehört der erste Anruf von den USA nach Tokio im Jahr 1934. Ein Jahr später gelingt AT&T das erste Telefonat rund um die Welt, wobei der Präsident des Unternehmens in einem Raum sitzt und einen Anruf rund um den Globus schickte, um mit seinem Vizepräsidenten in einem anderen Raum im selben Gebäude zu sprechen.

Einfach anrufen geht auch nicht – man muss Verbindungen bestellen. Das änderte sich Mitte der 1960er Jahre, als die internationale Direktwahl eingeführt wird. Von Europa aus in den USA anrufen geht aber auch dann nicht – erst ab den 1970er Jahren ist es möglich.
Heute werden kaum noch Gespräche über Vermittlungsstellen geführt. Ab geht es im Internet. Kosteten Anrufe bis weit in die 2000er Jahre ein halbes Vermögen, sind sie heute über bestimmte Apps kostenlos zu haben.


Rundfunkgeschichte vom 06. Januar

Am Dreikönigstag 1952 hat der „Internationale Frühschoppen“ seine Radiopremiere, die erste Talkshow in Deutschland. Vorbild des „Talking Heads“-Formats ist die US-Sendung „Meet the Press“. Die ersten Ausgaben werden aus dem NWDR-Studio im Bonner Bundeshaus gesendet, ab Ende August 1953 überträgt auch das ARD-Fernsehen. Geleitet wird die Sendung von Werner Höfer, mit ihm diskutieren fünf bis sieben weitere Journalisten das politische Tagesgeschehen. Heute undenkbar, aber damals normal: Es durfte geraucht und Weißwein getrunken werden! Nach der eigentlichen Diskussion konnten Zuschauer per Telefon Fragen stellen.

Bis Dezember 1987 wurden 1874 Sendungen ausgestrahlt, mit durchgehend hohen Einschaltquoten war der „Internationale Frühschoppen“ eine der erfolgreichen Sendungen überhaupt.